26-2 Esskastanien Naturdenkmäler
Kulturpfad Gufi
Der „Kulturpfad Gundelfingen" wurde in den Jahren 2005-2008 gemeinsam von den Ortsgruppen des BUND Gundelfingen und des Schwarzwaldvereins Gundelfingen/Wildtal sowie vom Verein für Heimatgeschichte Gundelfingen und Wildtal errichtet und der Gemeinde Gundelfingen zur IOOO-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung 2008 geschenkt.
Die Esskastanie am Wildtaler Eck
Die mächtige und weithin sichtbare Esskastanie ( lat. Castanea sativa) beherrscht das Wildtaler Eck. Die Kastanie steht am Schnittpunkt der ehemaligen Gemeinden Wildtal und Föhrental.
Seit Römerzeiten ist der Baum bei uns heimisch. Er ist ein Begleiter des Weinbaus, den die Römer auch nach Südwestdeutschland gebracht haben.
Esskastanien sind nicht verwandt mit der Rosskastanie ( Aesculus hippocastanum), die ebenfalls aus südlicheren Gefilden, der Balkanhalbinsel, stammt. Die Esskastanie gehört zu den Buchengewächsen wie die Rotbuche. Der Esskastanienstamm ist dick, schon in geringer Höhe über dem Boden verzweigt und drehwüchsig. Die Blätter sind lanzenförmig und gezähnt. Der Herbst färbt sie in sattes Gelb. Das Holz des Baumes ist sehr hart, fault nicht leicht und ist so auch als Rebpfahl verwendbar.
Die im September aus den stacheligen Fruchtbechern brechenden 4 Früchte sind die schmackhaften Maronen. Diese enthalten zu 50% Kohlenhydrate und waren deshalb früher in vielen Gegenden Grundnahrungsmittel. Heutzutage werden die „Maroni“ im Winter geröstet auf (Weihnachts-)Märkten verkauft.
Diese Esskastanie gehört zu den 12 eingetragenen Naturdenkmalen von Gundelfingen und Wildtal. Im Jahr 1994 hatte die Gundelfinger Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstmals ein Baumbuch erstellt, das Photos vieler beeindruckend schöner und ortsbildprägender Bäume auf Gundelfinger und Wildtaler Gemarkung enthielt. Nach mehrfacher Aktualisierung und auf Anregung des BUND legte die Gemeinde Gundelfingen dieses Baumbuch im Jahr 2011 dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald - Untere Naturschutzbehörde - zur Begutachtung vor.
Mit Verordnung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald vom 29. April 2002 wurden zwölf der Baumexemplare des Baumbuches wegen ihrer Eigenart, Schönheit, Seltenheit oder Ortsbild prägender Funktion förmlich als geschützte Naturdenkmale ausgewiesen.
Ausgewählt wurde auch die vor uns stehende, markante und landschaftstypische Esskastanie; diese wurde zum Naturdenkmal erklärt.
Ein zweite Esskastanie steht unweit vom Lehenhof.
Bis Februar 2020 stand neben der Kastanie am Wildtaler Eck eine etwas kleinere und filigrane Birke. Beide Bäume bildeten über viele Jahre gemeinsam eine markante Kulisse am Wildtaler Eck.
Birke und Esskastanie am Wildtaler Eck, 2011
In der Nacht auf den 11. Februar 2020 fegte das „Sturmtief Sabine“ über Südbaden hinweg und riss die Birke um. Diese war zuvor schon schütter geworden und hatte bereits erste Alters-/Krankheitserscheinungen gezeigt. Der Gewalt des heftigen Sturmes vermochte die alte Birke nichts mehr entgegenzusetzen.
Die umgestürzte Birke liegt neben der Esskastanie, Februar 2020.
Nur noch die Esskastanie steht und beherrscht seither allein die Höhe am Wildtaler Eck, seit September 2020.