08 Der Pfennigebach
Kulturpfad Gufi
Der "Kulturpfad Gundelfingen" wurde in den Jahren 2005-2008 gemeinsam von den Ortsgruppen des BUND Gundelfingen und des Schwarzwaldvereins Gundelfingen/Wildtal sowie vom Verein für Heimatgeschichte Gundelfingen und Wildtal errichtet und der Gemeinde Gundelfingen zur 1.000-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung 2008 geschenkt.
Der "Der Pfennigebach" schlängelte sich früher als der eigentliche “Dorfbach” mitten durch die Gemeinde.
Sein Verlauf ist bereits in der ersten amtlichen „Topographische(n) Karte über das Großherzogtum Baden“ von 1844 verzeichnet, besonders gut aber ist der Bachlauf erkennbar auf der Topographischen Karte 1:50.000, Blatt Nr. L 7912, Ausgabe 1963.
Kartenausschnitt Top. Karte von 1963 mit blau gekennzeichnetem Bachverlauf
Der
Pfennigebach kam aus den Dobeln oberhalb des jetzigen Waldstadions
beim heutigen Schützenhaus. Sein Wasser sammelte sich am Platz des
heutigen Waldstadions in einem kleinen Weiher, von dem es weiter in
den Brandweiher floss, der auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes
angelegt worden war und von dem der „Weiherweg“ seinen Namen hat.
Aus
dem Brandweiher heraus folgte der Bach dem natürlichen Gefälle und
lief mit rund 100 m Abstand parallel zum heutigen Glotterpfad zur
Bahnlinie, unter der ein noch heute sichtbarer Durchlass den Bach
aufnahm. Weiter wandte sich der Bach durch das Gewann „Krummacker“
bis zur Einmündung der Kandelstraße in die heutige Alte
Bundesstraße.
Diese
querte der Bach unterirdisch und floss südlich von der Wagnerei Hug
in Richtung „Lenzegäßle“. Dann fand er seinen Weg weiter in den
Hofacker und zum Kirchgässle. Dort wandte sich der Bach im rechten
Winkel in Richtung Kirchstraße, die er beim Anwesen Schneider
(früher Frisörsalon) erreichte.
Nicht immer war der Bachverlauf friedlich. Das nächste Bild zeigt ein Hochwasser in der Kirchstraße.
Überschwemmung des Pfennigebachs in der unteren „Pelzgass“, heute Kirchstraße, um 1925
Er
unterquerte die Vörstetter Straße und floss auf der westlichen
Seite der Vörstetter Straße bis kurz nach der Einmündung der
Dorfstraße. Dort bog er in Richtung Westen ab, den Matten zu, die er
etwa parallel zur Mühlenstraße durchschnitt, ehe er in den Mühlbach
mündete.
Wichtig für das Dorf
war der Pfennigebach wegen seiner Funktion als Löschwasserspender
bei Bränden. Der Brandweiher bildete ein unregelmäßiges Viereck,
dessen Längen etwa 70 m, dessen Breiten unten etwa 30 m und 20 m
betrugen. Bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts blieb dieser
Brandweiher bestehen.
Später
verpachtete die Gemeinde den Brandweiher. Für 70 Mark pro Jahr
erhielt 1925 der damalige Engelwirt Emil Hochuli den Weiher für 6
Jahre als Fischwasser, das bei Anglern sehr beliebt war.
Angeln am Brandweiher am heutigen Weiherweg, 1963
Die
Freiwillige Feuerwehr beklagte sich 1955: „Die Wasserversorgung vom
Brandweiher aus in das Ortsöder ist vollständig unmöglich, da der
Zulaufgraben vom Brandweiher aus in das Ortsöder vollständig
zugewachsen ist... Auch laufen durch die Kanalisierungen sämtliche
Überläufe der Abortanlagen in den Pfennigebach, der Im Falle eines
Brandes vom Brandweiher aus Wasser spenden muss.“
Der
Fortschritt in der Wasserversorgung des Dorfes und die bessere
Ausrüstung der Feuerwehr ließen den Brandweiher aber allmählich
überflüssig werden, und damit schien auch der Pfennigebach für das
Dorf nicht mehr wichtig zu sein.
Die Sauberkeit des
Pfennigebachs ließ an manchen Tagen sehr zu wünschen übrig. Das
lag auch daran, dass die Überläufe der häuslichen Kläranlagen der
Anrainer in den Pfennigebach liefen, was dazu führte, dass „bei
warmer, trockener Witterung Verpestung der Luft und Fliegenschwärme
die Folge waren“. Auch die Metzgereien am Pfennigebach leiteten
ihr Abwasser in den Bach, und an Schlachttagen soll das Wasser
blutrot gefärbt worden sein.
Diese
Umstände waren es wohl auch mit, die bei der weiteren baulichen
Erschließung Gundelfingens ab den 60er Jahren den Pfennigebach aus
dem Ortsbild verschwinden ließen.
Die erhaltene Bogenbrücke unter der Alten Bundesstraße, etwa auf Höhe der Kandelstraße, heute am Ende zugemauert
Mit der Bebauung der Kandelstraße wurde der Bach teilweise verdohlt, sein Wasser wurde in Höhe der heutigen Straße „Zum Litzfürst“ in die Kanalisation geleitet. Auch den Brandweiher beseitigte man beim Bau des Parkplatzes für das neue Waldstadion.
Ein letztes Mal erlangte der Pfennigebach Bedeutung, als der See im Neubaugebiet „Glotterpfad“ angelegt wurde. Man erkannte, dass der See ohne Frischwasserzufuhr nicht überleben würde, wollte dabei aber auf kostbares Leitungswasser nicht zurückgreifen. So wurde in aufwendiger und kostenintensiver Arbeit eine Leitung vom Parkplatz des Waldstadions entlang des Weiherweges und des Glotterpfades zum See gelegt, den das Wasser des Pfennigebachs heute durchfließt, ehe es wiederum in die Kanalisation läuft.
Im Winter 1999 wurden beim Ausheben der Baugrube für die Gebäude der „Ortsmitte III“ am nördlichen Rand der Baugrube Teile der Verrohrung des Pfennigebaches sichtbar.
Reste
des verrohrten Pfennigebachs in der Baugrube für das Gebäude Alte
Bundesstraße 39
Mehr Informationen zum Pfennigebach in: Gundelfinger Mosaik, 2000
Bilder: 1,2 und 5: Archiv Verein für Heimatgeschichte; Bild 3: Arnold/Steigner; Bild 4: Rolf Meyer, Gemeindearchiv Gundelfingen