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16 Stettner Mühle - Heimatgeschichte Gundelfingen

Heimatgeschichte Gundelfingen

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16 Stettner Mühle

Kulturpfad Gufi
Der Kulturpfad Gundelfingen" wurde in den Jahren 2005-2008 gemeinsam von den Ortsgruppen des BUND Gundelfingen und des Schwarzwaldvereins Gundelfingen/Wildtal sowie vom Verein für Heimatgeschichte Gundelfingen und Wildtal errichtet und der Gemeinde Gundelfingen zur IOOO-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung 2008 geschenkt.
 
Die “Stettner Mühle“ in Gundelfingen
Mühlen gehörten zur Grundausstattung eines Ortes, denn als Grundnahrungsmittel musste Getreide zur Weiterverarbeitung gemahlen werden.

Die Gundefinger Mühle spielte über 200 Jahre lang eine wichtige Rolle. 1747 erhielt der Vogt Mathias Scherer vom Markgrafen Karl-Friedrich von Baden-Durlach die Erlaubnis zum Bau einer Mühle. Um stets genügend Wasser zu haben, erkaufte er 1751 von der Stadt Freiburg ein Wasserrecht. Dieses gestattete ihm, über einen eigens dafür hergestellten Graben seine Mühle mit Wasser aus verschiedenen Bächen zu speisen. Der Textanfang der Urkunde lautet:
Wir Bürgermeister und Rath der Kayrl. Königl. V.Ö. Stadt Freyburg im Breyßgau thun kund und zu Wißen hier mit diesem Brieff, daß wir dem Ehrenfesten und geachteten Herrn Mathias Scherer, dermalen Hochfürstlichen Markgraf Baden-Durlach Vogten zu Gundelfingen auf deßtn freundliches Ansuchen zu kaufen gegeben haben das „Wasserrecht“ aus dem Malterbach ...“
 
Wasserrechtsurkunde für die Stettner-Mühle, 1751
 
Neben dem Kaufpreis war eine jährliche Pacht von zwei Sester Weizen an das Armen-Findelhaus in Freiburg abzuführen. Erst 1857 löste die damalige Besitzerin der Mühle diese jährliche Abgabe durch eine einmalige Zahlung von fast 150 Gulden ab.
Zunächst waren die Mühlen fast ausschließlich „Kundenmühlen“, worin das Getreide für den anliefernden Bauern gemahlen wurde. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm Leonhard Stettner die Gundelfinger Mühle und veränderte sie soweit, dass sie sich zu einer Kunst- und Handelsmühle entwickelte. Dies bedeutet, dass in der Mühle aufgekauftes Getreide auf eigene Rechnung gemahlen und verkauft wurde.
 
Ausschnitt aus einer Übersichtskarte von Gundelfingen, Wildthal und Zähringen, Stand für Gundelfingen 1892.
Die Lage der Mühle außerhalb der Bebauung ist gut zu erkennen
(in rot)
   
Bemerkenswert ist übrigens, dass die Mühle 1913 die Telefonnummer 1 im „Amt Denzlingen“ hatte. Das lässt vermuten, dass hier der erste Telefonanschluss in Gundelfingen eingerichtet war. Im Februar 1935 starben Leonhard Stettner und seine Frau Elise innerhalb von 10 Tagen.

Sohn Otto, der auch gelernter Müller war, übernahm den elterlichen Betrieb. Er unternahm eine weitere Modernisierung der Mühle. So wurde z.B. das Wasserrad durch eine Turbine ersetzt und die Mühle durch einen Stockaufbau (durch die Firma Bolz, Vörstetten) erweitert. Die Gundelfinger Mühle belieferte Bäckereien am Ort, im Freiburger Raum und selbst bis hoch nach St. Peter im Schwarzwald.
 
Die Gundelfinger Mühle in der Ansicht von Westen, etwa von dort, wo heute die Firma „Swissphone“ beheimatet ist, 1950
       
Die Mühle erzeugte zu dieser Zeit ihren eigenen Strom. Bis zur Einführung der allgemeinen Stromversorgung im Ort 1920/21 belieferte sie auch das Rathaus und die “Sonne“ mit Strom.
Hierzu eine Anekdote: Hatte sich der Müller in der “Sonne“ verspätet, warf die Müllerin einfach den Treibriemen des Generators herunter - in der “Sonne“ wurde es dunkel, und bald darauf war der Müller daheim!
 
Die Stettner Mühle mit Nebengebäuden von Westen, Aufnahme 2000

 

1960 stellte Familie Stettner den Mühlenbetrieb ein. In den Jahren 1984/85 wurde das Mühlengebäude unter Mitwirkung des Landesdenkmalamtes historisch restauriert.
 
Die Stettner Mühle von Norden, Aufnahme 2000

 
Bilder 1, 4 und 5: Archiv Verein für Heimatgeschichte; 2: Landesarchiv Baden-Wuerttemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe; 3: Helmut Danner
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