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06 Gasthaus Rössle - Heimatgeschichte Gundelfingen

Heimatgeschichte Gundelfingen

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06 Gasthaus Rössle

Kulturpfad Gufi
Der „Kulturpfad Gundelfingen" wurde in den Jahren 2005-2008 gemeinsam von den Ortsgruppen des BUND Gundelfingen und des Schwarzwaldvereins Gundelfingen/Wildtal sowie vom Verein für Heimatgeschichte Gundelfingen und Wildtal errichtet und der Gemeinde Gundelfingen zur IOOO-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung 2008 geschenkt.
 
Die Gründung des Gasthaus "Rößle" geht auf das Jahr 1706 zurück.

Zuvor hatte der Dreißigjährige Krieg (1618 und 1648) unserer Region und ganz Deutschland übel mitgespielt! Von ca. 20 Millionen Einwohnern war etwa die Hälfte umgekommen. Für Gundelfingen berichtet der Vogt Mathias Haaß: „Im Jahre 1627 waren hier 53 Bürger und 3 Hintersaßen (abhängige Bauern). Davon waren 1653 nur noch 4 Mann übrig geblieben. Von den 90 Scheuern und Häusern sind nicht mehr vorhanden als 8 und ist sonst alles verbrennt und niedergerissen samt dem Pfarrhaus.“

Danach sah Gundelfingen wohl noch ziemlich trostlos aus, als Hans Georg Arnold sich am 23. Juni 1706 vom Markgrafen Friedrich die erste Wirtschaftsgerechtigkeit in Gundelfingen erbat. „Zum Rößlin“ sollte die Wirtschaft heißen und seinem Gesuch wurde stattgegeben.
Damit war das „Rößle“ die erste Wirtschaft mit Schildgerechtigkeit in Gundelfingen. 1733 war dann das Quintett der „historischen“ Wirtschaften „Rößle“, „Sonne“, „Engel“, „Ochsen“ und „Pflug“ in Gundelfingen komplett.
Zum damaligen Rössle gehörten eine Metzgerei und das landwirtschaftliche Anwesen der Wirtsleute. Über der Gaststube waren die Wirtswohnung und später sogar ein Tanzsaal. Neben der Gastwirtschaft gab es einen Gaststall, in dem die durchfahrende Fuhrleute bis zu 20 Pferde versorgen konnten. Die Zufahrt erfolgte von der Vörstetter Straße her.
Bild 1: Ausschnitt aus einer Ansichtskarte, um 1910
 
1796 wurde diese Zufahrt durch ein großes Wohnhaus mit Remisen und Lagerräumen überbaut. In den Hof gelangte man durch ein Holztor, welches von einem schönen Sandsteinbogen überwölbt war. Als Schlussstein ließ der Bauherr ein Sandsteinrelief mit dem Rösslemotiv anfertigen. Dieser Originalstein ist heute unter einem Kupferdach verborgen. Eine von Wolfgang Jakob sorgfältig hergestellte Kopie befindet sich über der Tür des Hauses Vörstetter Str. 2.

 
Um 1870 bis 1900 war Karl Kiefer Eigentümer des ganzen Rössle Areals. Er betrieb mit seiner Frau Katharina die Gast- und Landwirtschaft und auch eine kleine Hausbrauerei.

 
Spätere Wirtsleute des Rössle waren Christian und Frieda Baumann, denen auch das Giesin-Haus gegenüber gehörte. Im 2. Weltkrieg, Ende der 40er-Jahre, übernahm der Sohn Hugo Baumann mit Ehefrau Ursula das Gasthaus von den Eltern. Hugo Baumann verpachtete das Rössle 1955 an die jungen Wirtsleute Günther und Irmgard Gross, die aber 1961 das elterliche Gasthaus und Metzgerei in Reute übernahmen.
Bild 2: Ausschnitt aus einer Ansichtskarte, um 1950
 
In den 50er-Jahren ging es mit dem beginnenden Wirtschaftswunder auch mit den noch bestehenden Gastwirtschaften in Gundelfingen aufwärts. Im Rössle traf man sich z.B. nach den Gottesdiensten und zum Fernsehen, denn schon sehr früh hatte diese technische Neuerung im Rössle Eingang gefunden.
Bild 3: Ostfront des Rößle, 1957
 
Als der Besitzer Hugo Baumann 1961 das Haus Doris (heute Gemeindearchiv und Wohnhaus) baute, musste für die Zufahrt dorthin der Gaststall abgerissen werden. Die letzten Pächter des „alten Rössle" waren ab 1961 Siegmund und Klara Demmler, bis 1971 bei Eigentümer Hugo Baumann, dann weitere fast neun Jahre bei der Gemeinde, die das Gasthaus 1971 gekauft hatte.

 
1979 wurde das Rössle geschlossen, weil es nun nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Wirtschaft entsprach.

 
Nach langen Umbauarbeiten durch die Gemeinde konnte das „neue Rößle" 1982, noch unter Bürgermeister Oskar Binninger, eröffnet werden. Seitdem hat es seine heutige äußere Gestalt. Erster Wirt nach der Renovation war Eugen Engler. Mehrfach wechselten aber nun die Pächter, zeitweilig firmierte das Rössle als Chinarestaurant Fe Fang. Die seit 1982 innen offene Bauweise über zwei Geschosse stellte sich letztlich als Hindernis für einen erfolgreichen Betrieb des Gasthauses heraus.
Bild 4: Aufnahme von Südost, 1986
 
So war dann im Jahr 2005 ein erneuter Umbau nötig. Die offene Decke wurde geschlossen. Im Obergeschoss entstand neben dem Nebenzimmer ein großer Gastraum, in dem auch größere Veranstaltungen stattfinden können.

 
Erster Pächter nach diesem Schritt war erneut Eugen Engler. Zusammen mit seiner Ehefrau führte er das Gasthaus bis zu seinem frühen Tod Ende 2020. Katharina Wolf-Engler übernahm nun alleine das "Rößle" und leitet es bis heute (2025). Ihr Akzent ist die Pflege der badisch-mediterranen Küche.
Bild 5: Rößle von Osten mit neuer Terrasse, 2019
 


Bilder 1-3 und 5: Archiv Verein für Heimatgeschichte, Bild 4: Rolf Meyer, Gemeindearchiv Gundelfingen
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